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US efforts to help Boeing

No end of turbulences in sight for America’s biggest airplane-producer Boeing:  Now even CEO Phil Condit had to leave his top-paying position after two multibillion-dollar contracts with the U.S. Air Force got under criminal investigation last month. The management change concludes a bitter year for the company which for the first time in history will have produced less commercial airplanes than its European competitor, Airbus. 

But Boeing’s loss is even tougher on the (potential) employees who depend on it. So city councils and state governments are willing to pay almost any prize to stay aboard.

Sonja Bonin wrote the following article:

7$7 fertig zur Landung

Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten der USA möchte die Heimat des neuen Boeing-Jets werden. In Washington tut man fast alles dafür

“Wir wollen weiterhin die Heimat für die besten Flugzeuge der Welt sein, und wir werden dafür tun, was auch immer nötig ist“, so das Mantra von Governeur Gary Locke und seit Monaten Stadtgespäch in und um Seattle, Washington. Der nordwestlichste Bundesstaat der USA ist die Heimat von Boeing und seit ihrer Gründung 1915 der größte Standort der zivilen Luftfahrtsparte des Unternehmens. Seit die Firma im Mai die Produktion einer neuen Jetreihe, genannt 7E7, in Aussicht stellte, rollt Washington den roten Teppich aus. Und in diesem Kraftakt, den die Medien „Lockes Blitzkrieg“ nennen, scheint alles möglich. Städte, Landkreise, Parlament und Wirtschaft arbeiten Hand in Hand, Gesetze werden in Nachtsitzungen durchgepeitscht, und Industriegewerkschaften fordern Kürzungen bei der Arbeitslosenversicherung. Washington ist nicht der einzige Staat, der Kopf steht, wenn es um die Gunst des Jet-Giganten geht; an der offiziellen Ausschreibung für die neue Montageeinheit haben sich Zeitungsberichten zufolge 35 Bundesstaaten beteiligt. Aber Washington hat am meisten zu verlieren. Die Arbeitslosenrate des in weiten Teilen agrarisch gesprägten Staates gehört zu den höchsten des Landes, und seine wichtigsten Industrien, Flugzeugbau und Informationstechnologie, leiden am schlimmsten unter den Folgen von 11. September, SARS und dem Zusammenbruch des Internetbooms. Ungefähr 70.000 Angestellte (das sind nur noch knapp halb so viele wie vor fünf Jahren) bezahlt Boeing im Staat Washington, die meisten davon rund um Seattle. Allein am größten Standort, Everett, wo Boeing seine Großraumflugzeuge 747, 767 und 777 montiert, arbeiten 18.000 Menschen – und mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze hat die Region in den letzten zwei Jahren bereits verloren. Seit Boeing 2001 auch noch ihren Hauptsitz nach Chicago verlegt und damit seinem Gründungsort brüsk den Rücken gekehrt hat, geht die Angst um im Staate Washington – und Boeing weiß die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Ihre Kriterien für die Standortwahl beinhalten neben klimatischen und technischen Anforderungen - wie einem Tiefseehafen mit 24-Stunden-Betrieb und dem kostengünstigen Bau einer neuen Montagestrecke - vor allem Ansprüche an das allgemeine „Geschäftsklima“ und die Unterstützung durch Politik und Wirtschaft.

Die vor etwa einem halben Jahr eingereichten Bewerbungen der potenziellen Standorte werden nicht veröffentlicht. Klar ist, dass der Boeing-Köder die Steuerzahler eine Menge kosten wird. In Washington beschloss das Parlament innerhalb weniger Sitzungen (nach einem von Boeing diktierten Zeitplan) ein Steuervergünstigungspaket von drei Milliarden Dollar für den Fall, dass Boeing die 7E7 in Washington baut, inklusive einer 40%-Reduzierung von Unternehmens- und Umsatzsteuer in den kommenden 20 Jahren. Die Gesetzgeber verkürzten Höhe und Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes (eine sine-qua-non-Forderung von Boeing) und bedauerten wortreich, dass die Landesverfassung keine direkten Geldzahlungen an das Unternehmen erlaubt. (Michigan bietet 300 Millionen Dollar in Cash, Kalifornien 250, und der Staat Oklahoma 150 Millionen plus “Bares für die Schaffung von Arbeitsplätzen“.)

Das Washingtoner Steuerpaket ergänzt die Investitionen, die Staat und Gemeinden bisher schon aufgebracht haben, um den Flugzeugbauer glücklich zu machen: ein zusätzliches Hafenbecken (16 Millionen Dollar), eine dritte Landebahn für den Flughafen von Seattle (circa eine Milliarde Dollar) und Verbesserungen an Highways und Eisenbahnen, (geschätzter Wert vier Milliarden Dollar, refinanziert unter anderem durch eine Erhöhung der Benzinsteuer um fünf Cents). Das Parlament entschied außerdem über eine weitere Senkung der Stromkosten für Boeing und die großzügige Handhabung gewisser Umweltschutzbestimmungen.

Das alles für 800 bis 1200 Arbeitsplätze? So hoch schätzt Boing die Zahl ein, um die hier gepokert wird. Ansonsten war Firmensprecherin Mary Hanson keinerlei Information zu entlocken. Zum Inhalt der Angebote, den Namen der Wettbewerber, ja selbst deren Zahl, schweigt sich das Unternehmen aus.

Skeptikern drängt sich inzwischen die Frage auf, ob der angebliche Wettbewerb um den neuen Standort nicht einzig dazu dient, dem Staat Washington noch mehr Geld abzupressen. So oder so: Wer in diesem Spiel nur gewinnen kann, sind Boeing – und Governeur Locke. Schließlich hat er alles getan, was nötig war, um den Standort zu bewahren.

Autor: Sonja Bonin (sonja.bonin@berlin.de)

Mehr zu Boeing in der Seattle Times:  

 

 

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