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Majority of Germans in Favor of More Transatlantic Cooperation

The German media is full of NSA and TTIP criticism, but 56% of Germans still want more cooperation with the United States. That’s a surprisingly positive result of the Körber-Foundation poll “Involvement or Restraint” in support of the German Foreign Office’s “Review 2014”-process. And yet, several journalists manage to draw Anti-American conclusions from this poll.

I have explained it in German at Deutschlands Agenda, but including some tweets in English.

Mehrheit der Deutschen will mehr Zusammenarbeit mit den USA

Die Körber Stiftung unterstützt den “Review 2014” Prozess des Auswärtigen Amts und hat eine Meinungsumfrage zu außenpolitischen Einstellungen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind überraschend positiv für die transatlantische Kooperation, aber einige Medienvertreter deuten sie falsch.

Die Umfrageergebnisse sind insgesamt recht interessant, aber stellenweise auch widersprüchlich; wie das halt so ist bei vielen Meinungsumfragen. Die Presse hat breit berichtet, insbesondere über den ersten Satz aus der Pressemitteilung: “60 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass sich Deutschland außenpolitisch zurückhalten sollte.”

Überraschend und enttäuschend ist, dass mehrere Zeitungen und Think Tanker die Grafik mit den Umfrageergebnissen zu außenpolitischen Kooperationen missverstanden haben und fälschlicherweise behaupten, die Deutschen würden mehr mit China als mit den USA zusammenarbeiten wollen. Die Frankfurter Rundschau z.B. schrieb: “China rangiert in dieser Liste der Wunschpartner noch vor den USA.” Das mag eine gut zu vermarktende These sein (im Gegensatz zu der Überschrift dieses Artikels), aber die Fragestellung und die Antworten lassen eine solche Schlussfolgerung nicht zu.

Die Körber Stiftung ließ TNS Infratest repräsentativ fragen: “Nun geht es um einige Länder und die Frage, wie wichtig diese für die Außenpolitik Deutschlands sind. Bitte sagen Sie mir jeweils, ob Deutschland mit diesem Land in Zukunft mehr oder weniger zusammenarbeiten sollte.”

Es wurde also gefragt, ob Deutschland mit China in Zukunft mehr zusammenarbeiten oder weniger zusammenarbeiten soll. 61% sagten “mehr zusammenarbeiten” und 32% sagten “weniger zusammenarbeiten.” Es ging also um den Vergleich zwischen Gegenwart und Zukunft. Die Befragten sollten nicht die USA mit China vergleichen. Eigentlich ganz einfach. Und gar nicht missverständlich.

Als gefragt wurde, ob Deutschland mit den USA in Zukunft “mehr zusammenarbeiten” oder “weniger zusammenarbeiten” sollte, war das Ergebnis 56% zu 33%. Das sind für Atlantiker überraschend positive Werte, insbesondere angesichts der NSA Affäre, der starken Anti-TTIP-Kampagne und der Tatsache, dass die Zusammenarbeit mit den USA bereits sehr intensiv ist und eine viel höhere Qualität hat als mit jedem anderen Land außerhalb der EU.

Die Umfrageergebnisse passen so gar nicht zur vorherrschenden Debatte über schlechte transatlantische Beziehungen. Skepsis ist in der Tat angebracht! Man könnte daher die Richtigkeit bzw. die Aussagekraft der Umfrage bezweifeln, aber man kann nicht die Umfrageergebnisse als Indiz dafür betrachten, dass der transatlantische Graben “größer” wird (FAZ) oder dass China den USA “als attraktiver Kooperationspartner inzwischen den Rang abgelaufen” hat (Süddeutsche).

Denn laut Umfrage wollen die Deutschen ja mehrheitlich (56%) die bereits enge Zusammenarbeit mit den USA weiter stärken, also den „transatlantischen Graben“ verringern. Die bei weitem nicht so enge Zusammenarbeit mit China soll nach Meinung von 61% der Befragten ebenfalls gestärkt werden. Selbst wenn die deutsch-chinesische Zusammenarbeit sich verdoppeln oder verdreifachen sollte, wäre sie noch immer geringer als die transatlantische Kooperation.

Um es noch einfacher auszudrücken: Die Umfrageergebnisse sind grob vergleichbar mit einem Anleger, der bereits 10.000,- EUR in amerikanische Aktien und 500 EUR in chinesische Aktien investiert hat und morgen für 56,- EUR amerikanische Aktien und für 61,- EUR chinesische Aktien kaufen will. China läuft den USA dadurch nicht den „Rang“ als Anlageschwerpunkt ab.

FOCUS Online hat einfach den o.g. Süddeutsche Zeitung-Artikel umgeschrieben: “Nach Ansicht von 61 Prozent der Bürger hat China als Kooperationspartner den USA den Rang abgelaufen. Nur 56 Prozent sprachen sich demnach für mehr Zusammenarbeit mit den USA aus.” Dabei lehren Journalistenschulen (und politikwissenschaftliche Dozenten) doch, nach Möglichkeit immer Originalquellen zu zitieren, also in diesem Fall die Körber Studie.

Reuters liegt m.E. ebenfalls falsch, aber auf jeden Fall ist die Formulierung missverständlich und hätte klarer sein können: “LIEBER MIT CHINA ALS MIT DEN USA (…) Überraschend sprechen sich aber mehr Befragte dafür aus, dass Deutschland mit China künftig enger zusammenarbeiten sollte als mit den USA.” Nee, die Umfrage sagt nicht aus, dass Deutschland mit China enger zusammenarbeiten sollte als mit den USA.

Die Neue Zürcher Zeitung hat das ebenfalls inkorrekt ausgedrückt: “Bei der Frage, mit welchem Land Deutschland enger zusammenarbeiten solle, rangiert Frankreich mit 79 Prozent vorn, vor Polen (71 Prozent) und Großbritannien (63 Prozent). China (61 Prozent) liegt knapp vor den USA (56 Prozent).” Nein, es wurde eben nicht gefragt, „mit welchem Land Deutschland enger zusammenarbeiten sollte“. Zudem handelt es sich bei internationalen Kooperationen nicht um ein Null-Summen Spiel.

China Radio International liegt mit der Meldung “Umfrage: Deutsche wollen lieber mit China als mit den USA zusammenarbeiten” völlig daneben: “Auf die Frage, mit wem Deutschland mehr zusammenarbeiten sollte, sprachen sich 61 Prozent für China und nur 56 Prozent für die USA aus.” Das hättet Ihr wohl gerne.

Verfolgen einige dieser Medien eine anti-amerikanische Agenda und haben die Umfrageergebnisse bewusst verdreht? Muss jeder selbst entscheiden. Soweit will ich nicht gehen. Vermutlich haben einige der Journalisten sich einfach nicht genau genug mit der Umfrage auseinandergesetzt. Passiert leider immer wieder. Trotzdem schade.

 

 

Joerg Wolf ist Redakteur der Atlantischen Initiative, verantwortlich für atlantic-community.org (Twitter) und deutschlands-agenda.de (Twitter). Er tweeted auch privat unter @transatlantic

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